Wie blöd kann eine eigentlich noch sein, im fortgeschrittenen Alter?
Hatte der örtliche Supermarkt eine Sticker-Aktion wie üblich: beschere mir einen bestimmten Umsatz und ich schenke dir ein Packerl Sticker, und wenn du zusätzlich welche brauchst (zum Beispiel um das ebenfalls angebotene Buch damit vollzukleben), dann kannst du die gerne auch bei uns kaufen.
Na, war das Thema "Tierische Rekorde", das kann eine Kurze auch in ein paar Jahren noch lesen, also her mit den Pickerln. Das Buch wurde von der Beute-Oma gesponsert.
Jetzt ist das Gschropperl ja nicht die Rekord-Konsumentin beim Supermarkt, und so war es eher eine Läppertracht, was da an Tierpickerln zusammenkam. Hätte ein großzügiges Nachbarsmädchen nicht einiges aus ihrem Zwölf-Zentimeter-Stapel an doppelt erhaltenen Pickerln abgegeben, wir hätten heute noch ein lückenhaftes Buch. So aber füllten sich die Seiten langsam aber doch - auch mithilfe der gesamten Umgebung, da alle anderen örtlichen Kinder durch heftiges Tauschen bereits vollgeklebte Bücher hatten - manche kauften sogar noch ein zweites Buch, um wenigstens einen Teil der Doppelten zu verwerten.
Um endlich die letzten weißen Flecken im Buch zu füllen, griff das Gschropperl, gegen Ende der Aktion zusehends panisch werdend, zu immer drastischeren Mitteln. VorgängerInnen an der Kassa wurden gefragt: "Brauchen Sie Ihre Pickerl?" beziehungsweise wurde (wenn die Menschen allzu unsympathisch aussahen) die Kassierin nach Abfertigung derselben schamlos angegangen - an belebten Samstagvormittagen übrigens durchaus von drei scharf Beobachtenden gleichzeitig, was die Arme in moralische Nöte brachte -, um die eigene Sammlung endlich zu vervollständigen.
Allein, die letzten drei Pickerl - Seepferdchen, Gorilla und Tasmanischer Teufel, wen´s interessiert - wollten sich partout nicht einstellen. Sämtliche Nachbarskinder hatten bereits ihre Stapel durchforstet: negativ. Beim Supermarkt gabs keine Pickerl mehr. Die Verwandten und Bekannten hatten auch keine rauszurücken vergessen. Im Tauschkreis wurden keine angeboten. Also: das Internet zu Rate gezogen.
Das Aha-Erlebnis: Pickerl werden getauscht, verkauft und über ebay versteigert. (Eine neue Welt tat sich auf.) Blöd nur, dass in den gesamten vorhandenen Listen eben unsere drei gesuchten genau nicht aufschienen. Die hatte keineR. Und doch, letztendlich, zumindest eines schien gefunden. Also das Gegenüber angeschrieben, eigene Pickerl angeboten (sind die ja doch zu was nutz!) und gehofft.
Am nächsten Tag die lapidare Antwort: nee, wir sind schon komplett. Und dann noch: aber du kannst unsere haben, ein zweites hab ich dir auch besorgt. Wann treffen wir uns zur Übergabe?
Huch. Wow. Eine Menschenfreundin! Ich war nicht sicher, ob ich das glauben konnte. - Am nächsten Tag nochmals ein email von der Fremden: jetzt hab ich das dritte auch noch aufgetrieben. Mir blieb die Spucke weg, was selten passiert, was Eingeweihte gerne bestätigen werden.
Heute vormittag traf ich die Dame und kriegte die Pickerl, pünktlich und vereinbarungsgemäß; den Blumenstrauß wollte sie erst nicht nehmen: na, das ist mir doch ein Anliegen, wenn ein Kind sich freut ...
Das letzte Mal, als ich ein Sticker-Album vollkriegen wollte, waren es die Fußballer der WM ´78. Und ich sag euch was: mindestens genauso lange wird es dauern, bis ich mir das wieder antue. Die nächsten Sticker wird sich die Prinzessin selber checken müssen.