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Arbeitskraft

Mohammed Ashraf geht nicht zur Schule. Von Sonnenaufgang bis der Mond am Himmel steht, schneidet und schnippelt er, stanzt und heftet und näht Fußbälle, die vom pakistanischen Dorf Umar Kot aus in die Stadien der Welt rollen.

Mohammed ist elf Jahre alt. Er macht das, seit er fünf war.

Wenn er lesen könnte, und dann noch Englisch, dann könnte er die Aufschrift verstehen, die er auf jedes seiner Werke klebt: Dieser Ball ist nicht von Kindern genäht worden.

 

(Eduardo Geleano, Zeit die spricht)

19.1.12 21:52


Obstmuckerl

Auf meinem Badezimmerspiegel wohnt ein Obstmuckerl. Also: eine Fruchtfliege.

Bei unserer ersten Begegnung dachte ich mir, na, die habe ich aus der Küche mitgebracht. Sind ja genug da, wenn Obst in der Küche lagert.

Aber am nächsten Tag war sie immer noch da. Sitzt auf dem Spiegel und schaut in die Gegend, und ihr Spiegelbild auch. Seit Wochen. 

Manchmal macht sie einen Ausflug zur Dusche rüber. Wenn geputzt wird, bringt sie sich in Sicherheit. Ansonsten ist sie ortstreu.

Ganz ohne Obst.

31.10.11 17:53


Muttersprache III

Die ganze Bude voller Arbeit (also: nicht nur, wenn eine genau hinschaut, nein, sie MUSS genau hinschauen, um auszuweichen nämlich, sonst fällt sie drüber über die Haufen von Zeugs und derstesst sich), aber das Gschropperl hat in aller Ruhe das Internet-Fernsehen für sich entdeckt.

Gerade eben zum Beispiel: Novotny & Maroudi. Sehr nett. 

Aber gestern, weil gerade noch ein paar Tage lang als Sommerkabarett in der ORF-TV-Thek zu sehen: Männerhort!
Der Autor von dem Stück hat einen extrem schwedischen Namen, aber Vicky Schubert hat das Ding herrlich ins Österreichische gelegt.

Ich hab das Stück zweimal live gesehen. Das zweite Mal im vorigen September, direkt nach der Sommerpause. Nach einer halben Stunde meinte einer der Darsteller zu seinen Kollegen: "Also ich geh mir jetzt bei der Kassa eine Karte kaufen, weil das Stück kenn ich nicht!"

Die Herren hatten ihren Text vergessen und improvisierten munter vor sich hin, was diejenigen, die ihren Text noch konnten, ein bisserl aus der Fassung brachte, zwischendurch. Noch dazu spielten die Requisiten nicht mit, was Bühne und Darsteller versaute.

Fürs Publikum wars ein Zusatznutzen, wir haben Tränen gelacht. Eine einmalige Gelegenheit, sozusagen. Lohnt sich aber auch bei der Normalversion reinzuschauen, unter orf.at.

3.9.11 22:03


Muttersprache II

Julie Powell hat sich, aus welchen Gründen auch immer, vorgenommen, in einem Jahr alle Rezepte aus Julia Childs Buch "Mastering the Art of French Cooking" nachzukochen. Ihr New Yorker Slang macht es mir ziemlich unmöglich, alles zu verstehen.

Aber bei einem Satz hab ich mich richtig heimisch gefühlt:" ... then schmear this batter onto the liver ..."


 

(Julia Powell: Julie & Julia)

17.8.11 15:17


Muttersprache

"Mama, was kreut da?" - "Das heißt kriecht!" - "Mama, wo kreut das Kriecht hin?"
6.6.11 21:59


Fleisch ist aus

Noch weit bis in die siebziger Jahre hinein waren Vegetarier Randfiguren. Von der omnivoren Mehrheit wurden sie irgendwo zwischen dem Infantilismus der Hippies und dem Wahn religiöser Eiferer angesiedelt.

Als Latzhosenträger waren sie meist bemitleidenswert schlecht angezogen, und in einer Art kulinarischem Koma gefangen aßen sie braune Nudeln mit grauen Saucen oder graue Kornlaibchen mit braunen Saucen.

Über Generationen hinweg galt die Regel, dass die, die sich besonders gesund ernährten, besonders ungesund aussahen.

 

(aus: Rützler, Reiter: Food Change.)

9.5.11 08:08


Früher war es so: immer wenn ich gerade besonders viel um die Ohren hatte, wurde ich krank.

Jetzt lösen wir das familiendynamisch: ich habe viel um die Ohren, und die Süße kriegt die Feuchtblattern. Also Windpocken.

15.4.11 16:20


Sticker-Mania im Hause Gschropperl

Wie blöd kann eine eigentlich noch sein, im fortgeschrittenen Alter?

Hatte der örtliche Supermarkt eine Sticker-Aktion wie üblich: beschere mir einen bestimmten Umsatz und ich schenke dir ein Packerl Sticker, und wenn du zusätzlich welche brauchst (zum Beispiel um das ebenfalls angebotene Buch damit vollzukleben), dann kannst du die gerne auch bei uns kaufen.

Na, war das Thema "Tierische Rekorde", das kann eine Kurze auch in ein paar Jahren noch lesen, also her mit den Pickerln. Das Buch wurde von der Beute-Oma gesponsert.

Jetzt ist das Gschropperl ja nicht die Rekord-Konsumentin beim Supermarkt, und so war es eher eine Läppertracht, was da an Tierpickerln zusammenkam. Hätte ein großzügiges Nachbarsmädchen nicht einiges aus ihrem Zwölf-Zentimeter-Stapel an doppelt erhaltenen Pickerln abgegeben, wir hätten heute noch ein lückenhaftes Buch. So aber füllten sich die Seiten langsam aber doch - auch mithilfe der gesamten Umgebung, da alle anderen örtlichen Kinder durch heftiges Tauschen bereits vollgeklebte Bücher hatten - manche kauften sogar noch ein zweites Buch, um wenigstens einen Teil der Doppelten zu verwerten.

Um endlich die letzten weißen Flecken im Buch zu füllen, griff das Gschropperl, gegen Ende der Aktion zusehends panisch werdend, zu immer drastischeren Mitteln. VorgängerInnen an der Kassa wurden gefragt: "Brauchen Sie Ihre Pickerl?" beziehungsweise wurde (wenn die Menschen allzu unsympathisch aussahen) die Kassierin nach Abfertigung derselben schamlos angegangen - an belebten Samstagvormittagen übrigens durchaus von drei scharf Beobachtenden gleichzeitig, was die Arme in moralische Nöte brachte -, um die eigene Sammlung endlich zu vervollständigen.

Allein, die letzten drei Pickerl - Seepferdchen, Gorilla und Tasmanischer Teufel, wen´s interessiert - wollten sich partout nicht einstellen. Sämtliche Nachbarskinder hatten bereits ihre Stapel durchforstet: negativ. Beim Supermarkt gabs keine Pickerl mehr. Die Verwandten und Bekannten hatten auch keine rauszurücken vergessen. Im Tauschkreis wurden keine angeboten. Also: das Internet zu Rate gezogen.

Das Aha-Erlebnis: Pickerl werden getauscht, verkauft und über ebay versteigert. (Eine neue Welt tat sich auf.) Blöd nur, dass in den gesamten vorhandenen Listen eben unsere drei gesuchten genau nicht aufschienen. Die hatte keineR. Und doch, letztendlich, zumindest eines schien gefunden. Also das Gegenüber angeschrieben, eigene Pickerl angeboten (sind die ja doch zu was nutz!) und gehofft.

Am nächsten Tag die lapidare Antwort: nee, wir sind schon komplett. Und dann noch: aber du kannst unsere haben, ein zweites hab ich dir auch besorgt. Wann treffen wir uns zur Übergabe?
Huch. Wow. Eine Menschenfreundin! Ich war nicht sicher, ob ich das glauben konnte. - Am nächsten Tag nochmals ein email von der Fremden: jetzt hab ich das dritte auch noch aufgetrieben. Mir blieb die Spucke weg, was selten passiert, was Eingeweihte gerne bestätigen werden.

Heute vormittag traf ich die Dame und kriegte die Pickerl, pünktlich und vereinbarungsgemäß; den Blumenstrauß wollte sie erst nicht nehmen: na, das ist mir doch ein Anliegen, wenn ein Kind sich freut ...

Das letzte Mal, als ich ein Sticker-Album vollkriegen wollte, waren es die Fußballer der WM ´78. Und ich sag euch was: mindestens genauso lange wird es dauern, bis ich mir das wieder antue. Die nächsten Sticker wird sich die Prinzessin selber checken müssen.

8.4.11 22:12


Akkordeon-Festival forever

Manchmal bringt das Leben unerwartet schöne Erlebnisse. Über den Tauschkreis wurde ich wieder erinnert, dass sämtliche Konzerte und Veranstaltungen der letzten Akkordeonfestivals nachgehört werden können - unter http://emap.fm/akkordeonfestival.html).

Gerade höre ich eine Lesung von Peter Ahorner aus seinem Buch "Westend", begleitet von Walther Soyka und Karl Stirner - Balsam für die Seele.

Meine Lieblinge:

Der Wiener is a guade Haut
aber wenn sei goidens Herzerl schlogt
pass auf, dass di net trifft.

Generation Conflict in Vienna:
Wennst jung bist, willst in Venedig die Tauben füttern
und in Wien die Pensionisten
vergiften.
Wennst oid bist, lasst dein verhaschten Enkel a bisserl friern
und kaufst dei´m Hunderl a Wintermanterl.

Und hier mein absoluter Favorit:

Ein Zinsfuß und ein Raucherbein
beschlossen auszuwandern
den einen ziehts nach Liechtenstein
vom Herrl ziehts den andern.

1.4.11 23:39


24.3.11 16:13


Fundstücke aus dem aktuellen GEA-Album

Das muss man dem Frühling hoch anrechnen: Alle Jahre besingen ihn die Dichter, und er kommt trotzdem immer wieder.
(Karl Valentin)

Tour de France
Als die Spitzengruppe
von einem Zitronenfalter
überholt wurde
gaben viele Radfahrer das Rennen auf.
(Günther Grass)

Für ein gutes Tischgespräch kommt es nicht zu sehr darauf an,
was sich auf dem Tisch,
sondern was sich auf den Stühlen befindet.
(Walter Matthau)

23.3.11 15:26


Das Weh im Wörterbuch des Teufels

Wasserpflanzen
Unter der Wasseroberfläche wucherndes Gewächs von boshafter Intelligenz, das sich vorrangig von hysterischen SchwimmerInnen ernährt.

Winnetou
Der Deutschen Lieblingsausländer. Schon in der 60erjahren wollten ihn Mütter als Schwiegersohn und Väter ihren Töchtern ausspannen. Wären bloß alle Ausländer wie er - es gäbe nur positive Asylbescheide. Aber sagt Häuptling Springender Punkt: Winnetou würde nie und nimmer um Asyl ansuchen, weil er ein verantwortungsvoller Ausländer ist, der nicht auf Schakalspfoten in Nacht und Nebel in bessere Jagdgründe schleicht, sondern im Apachenland bleibt und von dort aus seine Weltbürgerpflicht abstattet: den kulturlosen Amis Feuer unterm Arsch zu machen.
(gschropperlsche Anmerkung: Lieblingsausländer auch der Österreicher.)

Wut
Der hilflose Versuch der Seele, Ohnmacht in Macht zu verwandeln.

 

(Richard Schuberth)

14.2.11 18:43


Myblog spinnt gröber - mal was anderes

Gerade kann ich mich für ganz fremde Blogs anmelden, indem ich MEINEN Blognamen und MEIN Passwort eingebe. Die Ur-Gelegenheit zum Fremdeintragen!

Blöd, irgendwie. Vor allem, weil ich mein eigenes Blog nur durch Zufall erreiche ... schöne virtuelle Welt!

14.2.11 13:42


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